
Peter Zajdler vom Kulturnetzwerk Schwarzenbruck im Gespräch mit dem Schwarzenbrucker Kabarettisten Karl-Heinz Krätzer.
KNW:
Karl-Heinz, wenn man bei Google „Karl-Heinz Krätzer + Kabarett“ eingibt, dann erhält man eine ganze Menge von Einträgen und kann hervorragende Kritiken lesen. Man nennt dich sogar den „Bayerischen Don Camillo“. Eine bekannte Münchner Tageszeitung hat dich sogar zum Bayern des Tages gewählt. Ich weiß, dass du schon sehr viele Kabarettstücke geschrieben und gespielt hast. Dein großer Erfolg ist zurzeit das Stück „Übergangsweise“. Du warst damit in ganz Bayern unterwegs, bist auch in Schwarzenbruck und in der näheren Umgebung aufgetreten. Wie kamst du auf den Namen des Programms „Übergangsweise“?
Krätzer
Übergangsweise ist ein Programm, das vom Leben und Sterben handelt, also auch vom Tod. Eine Brücke ist ein Übergang, ein Fluss, der in ein Meer mündet ist ein Übergang. Ebenso ist Sterben für mich ein Übergang. In der Seelsorge benutze ich gerne Bilder - für das Leben eines Menschen beispielsweise das eines Flusses. Er entspringt als eine kleine Quelle, wächst heran zum Strom. Er hat reißende und stille Stellen und schließlich mündet er ins Meer: Der Übergang. Er selbst existiert danach als Fluss nicht mehr, aber das Wasser des Flusses ist noch da.
KNW:
Ich weiß, dass du schon sehr lange als Kabarettist tätig bist. Wann hast du damit angefangen und wie kamst du dazu?
Krätzer:
Eigentlich habe ich schon in frühster Kindheit damit begonnen Leute zum Lachen zu bringen und manchmal sogar die Lehrer.
Mit „richtigem“ Kabarett, mit Schreiben und Spielen, habe ich in Rummelsberg 1977 begonnen. Es war mir damals besonders wichtig, gesellschaftliche Momente aufzunehmen, zu durchdenken, um sie dann in besonderer und alternativer Weise wiederzugeben. Das heißt für mich pointiert mit Humor und Satire, so dass die Zuhörer zum Nachdenken angeregt werden. Ein besonderer Lehrmeister auf meinem Weg zum Kabarettisten war der Schauspieler und Kabarettist Jochen Busse. Er half mir meine Texte spielbar zu machen, er machte mir bewusst, dass sich die kabarettistische Tätigkeit aus zwei Ebenen zusammen setzt: Der schriftstellerischen und der theatralischen (schauspielerischen) Ebene.
KNW:
Bearbeitest du damit auch dein eigenes Leben?
Krätzer:
Ja, ganz gewiss. Bei meinen Stücken handelt es sich sehr oft um eine Reflektion meiner freudigen, aber auch nachdenklichen Erlebnisse. Kurz gesagt: „Krätzer spielt Krätzer“. Ich versuche meine Empfindungen mit Humor darzustellen, obwohl mir nicht immer zum Lachen zumute ist. Lachen halte ich für ungemein wichtig. Es fällt mir immer wieder auf, dass vieles was früher einmal sehr wichtig war heute unwichtig geworden ist. Dieter Hildebrand erzählte einmal, dass ihm früher bei der Fernsehsendung „Bonner Runde“ vor dem Fernseher immer das Essen kalt wurde - heute gehe er während dieser Sendung zum Kochen in die Küche.
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KNW:
Worin unterscheidest du dich von anderen Kabarettisten?
Krätzer:
Erst einmal kann ich es nicht leiden wenn man mich mit den Großen des Kabaretts vergleicht. Ich bin kein gelernter Schauspieler und sicherlich auch kein bedeutender Autor. Ich bin Autodidakt und versuche in den Bereichen kabarettistisch aktiv zu sein, in denen ich mich auskenne. Meine Nischen sind oft die kirchlichen Bereiche und die Menschen mit ihren Freuden und Nöten - da kenne ich mich aus.
KNW:
Du bist Diakon der Rummelsberger Brüderschaft und wie ich weiß, auch ein sehr gläubiger Mensch. Wie vereint sich dein Glaube mit deiner oft doch manchmal recht bissigen und angriffigen Satire?
Krätzer:
Ich wäre nicht so bissig, wenn ich die Vorlagen dafür nicht von den Kirchenoberen bekäme. Meine Satire richtet sich nicht gegen den Glauben sondern gegen die Institutionen, die den Glauben verwalten wollen. Oft wehre ich mich nur. Echtes Kabarett geht für mich von links unten nach rechts oben, das heißt, ich möchte mit meinen Stücken auch Anwalt für „die da unten“ und die Schwachen sein. So gab und gibt es auch in Rummelsberg immer wieder Themen, die ich kabarettistisch aufarbeite. Das gefällt nicht unbedingt immer jedem und das ist auch gut so, sonst könnte ich es ja bleiben lassen. In meinem Publikum gibt es viele Menschen, die meine konstruktive Kritik erkennen - manche gleich, manche erst nach einer gewissen Zeit.
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KNW:
Seit der Gründung am 15.01.2009 bist du auch Mitglied im „Kulturnetzwerk Schwarzenbruck e.V.“. Was erwartest du dir von diesem Verein?
Krätzer:
Ehrlich gesagt war ich im vergangenen Jahr schon sehr enttäuscht, weil sich trotz der vielversprechenden Anfänge einiges anders bewegte als ich dachte. Jetzt, mit der neuformierten Vorstandschaft und nach den ganz natürlichen Anfangsschwierigkeiten, sehe ich den Verein auf einem guten Weg. Ich finde es gut, dass unter dem Titel „Vergangene Zukunft“ Aktivitäten geboren werden können, in denen sich alle aus unserer Gemeinde wieder finden können. Ich wünsche dem Verein, dass sich recht viele von dieser Idee begeistern lassen und dann auch aktiv mitmachen. Wichtig wäre mir, dass der Verein recht bald einen Raum findet, in dem sich die Mitglieder ungezwungen treffen können, quasi ein räumlicher und geistiger Mittelpunkt des Vereins.
KNW:
Karl-Heinz, dürfen wir bald mit einem neuen Stück von dir rechnen, vielleicht so gar zu dem Thema „Vergangene Zukunft“!
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Krätzer:
„Hierzu kann und will ich nichts sagen“
(Seinem Verhalten nach ist zu vermuten, dass da schon etwas in Arbeit ist.)
KNW:
Karl-Heinz ich danke dir im Namen des Kulturnetzwerkes für das Gespräch und wünsche dir weiterhin viele gute Einfälle.
Fotos: Dorothee Krätzer

